1904-1924
1924-1933
1933-1945
1945-1963
1963-1971
1971-1980
1980-1993
1993-2004
Einmal Schalker,
Immer Schalker
 

Hans-Jürgen Becher spielte von 1956 bis 1971 für die Knappen:

"An der Mittellinie war die natürliche Grenze!"

Er gehört noch immer zu den 20 Spielern mit den meisten Bundesliga-Einsätzen in der Vereinsgeschichte des FC Schalke 04. In nur acht Jahren absolvierte Hans-Jürgen Becher, Verteidiger der "alten Schule" und typisches Eigengewächs der Knappen, 201 Spiele im eingleisigen Oberhaus. Warum er in dieser Zeit ein Angebot von Bayern München ausschlug, zu den Königsblauen nach seiner aktiven Zeit auf Distanz gegangen ist, erzählt der 62-Jährige im folgenden Interview.

Hans-Jürgen Becher, Sie galten als Eigengewächs, spielten bereits in der B-Jugend für die Knappen. Wie sind Sie zum Verein gekommen?
Das war schon ein wenig kurios. Weil mein Großvater mit Gelsenkirchen 07 sehr stark verbunden war, sollte ich eigentlich dort in der Jugend spielen. Aber ich war nur einmal dort, es gefiel mir nicht. An irgendeinem Dienstag oder Mittwoch bin ich dann zur Glückaufkampfbahn gegangen, hatte meinen Ball mit einem Netz dabei. Beim Kicken hat mich Ernst Kuzorras Schwager Fritz Thelen gesehen, der auch damals noch für die Jugendabteilung arbeitete - und schon am Wochenende spielte ich zum ersten Mal für Schalke 04.

Können Sie sich an Ihr Debüt bei den Senioren in der Oberliga erinnern?
Weniger, denn alles verlief irgendwie übergangslos. Ich weiß noch, dass ich gemeinsam mit Werner Ipta und Arno Cramer den Sprung aus der Jugend schaffte. Kapitän Bernie Klodt und Torhüter Jupp Broden haben sich damals um uns junge Spieler gekümmert und uns den Einstieg leichter gemacht.

Was für eine Art Abwehrspieler waren Sie?
Ich habe Verteidiger oder Außenläufer gespielt, rückte schon einmal etwas weiter vorn. Aber nur, um aus taktischen Gründen einen Offensivspieler des Gegners zu beschatten. Damals war für einen Verteidiger die Mittellinie die natürliche Grenze. Wenn man seinen Mann ausgeschaltet hatte, hatte man seinen Job erfüllt. Heute spielt man variabler - und das gefällt mir besser.

Wer war Ihre hochkarätigsten Gegenspieler?
Heinz Hornig vom 1. FC Köln, Charly Dörfel vom Hamburger SV. Und als Vorstopper habe ich auch gegen Gerd Müller gespielt.

An welche Erlebnisse aus Ihrer aktiven Zeit erinnern Sie sich gern zurück?
An meine drei Juniorenländerspiele. Bei einem durfte ich gemeinsam mit Rudi Brunnenmeier in Ankara einen Kranz am Denkmal des türkischen Staatsgründers Kemal Atatürk niederlegen. Ebenso ein Erlebnis war die USA-Reise vor der ersten Bundesligasaison 1963. Damals haben wir die Niagarafälle gesehen, die Militär-Akademie Westpoint. Das waren unvergessliche Erlebnisse.

Und sportlich?
An das DFB-Pokal-Finale 1969 gegen Bayern München. Wir haben zwar 1:2 verloren, aber es war das einzige Endspiel, in dem ich spielen durfte. Und weil die Bayern ja auch Meister geworden sind, konnten wir im Europapokal der Pokalsieger spielen und haben da ja immerhin das Halbfinale erreicht.

Gab es in den 15 Jahren nie die Überlegung, Schalke 04 zu verlassen?
Nachdem wir in der Saison 1964/65 Letzter in der Bundesliga geworden waren, sollte ich gemeinsam mit Hans Nowak zu Bayern München wechseln. Es gab konkrete Verhandlungen mit Robert Schwan, dem späteren Manager von Franz Beckenbauer. Doch weil Willi Schulz zum Hamburger SV gegangen und seine Versicherungs-Agentur einen Nachfolger suchte, hat man mir diese Stelle angeboten. Da ich bodenständig bin, habe ich zugesagt. Das Versicherungsbüro betreibe ich heute noch.

Nach der Saison 1970/71 wurde Ihr Vertrag trotz 18 Einsätzen nicht verlängert. Ein Umstand, der bei Ihnen Narben hinterlassen hat.
Es gab Differenzen, das kann man so stehen lassen. Den damaligen Präsidenten Günter Siebert sehe ich einmal im Jahr, wenn mein Nachbar Geburtstag hat. Wir geben uns die Hand. Aber in der Traditionsmannschaft habe ich nicht mehr gespielt und das Parkstadion habe ich nur einmal gesehen: Als ich bei einem Spiel des Tennisclubs TC Buer gegen eine Auswahl des WDR spielte. Da Buer keine Fußball-Trikots besaß, haben wir alle noch einmal das Schalker Trikot angezogen.

Das heißt, Sie kennen auch die Arena AufSchalke nicht?
Doch, ich war einmal drin - aus beruflichen Gründen im Rahmen der Gelsenschau. Die ist schon toll. Ich habe mir vorgestellt wie es ist, wenn man da als Spieler aufläuft.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Schalke 04 beschreiben?
Ich bin immer noch mit dem Herzen dabei, bin traurig, wenn die Mannschaft verloren hat und freue mich, wenn sie gewonnen hat. Beim Golfspielen treffe ich alte Weggefährten wie Klaus Fischer und Rolf Rüssmann. Über die aktuelle Mannschaft möchte ich mir aber kein Urteil erlauben, denn ich kenne sie schließlich nur aus Ausschnitten aus dem Fernsehen.

Name: Hans-Jürgen Becher
* 21. September 1941

Position: Verteidiger/Außenläufer

In Schalke aktiv:
1.7.1956 - 30.6.1971

Pflichtspieleinsätze:
32 Oberligaspiele (2 Tore)
1 DM-Endrundenspiel (0 Tore)
201 Bundesligaspiele (2 Tore)
24 DFB-Pokalspiele (1 Tor)
6 Europapokalspiele (1 Tor)

Erstes Spiel:
14. August 1960 beim 1. FC Köln (3:3)

Erstes Tor:
18. November 1962 bei Viktoria Köln (4:6)

Letztes Spiel:
22. Mai 1971 gegen Kickers Offenbach (1:2)

       
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