1904-1924
1924-1933
1933-1945
1945-1963
1963-1971
1971-1980
1980-1993
1993-2004
Einmal Schalker,
Immer Schalker
 

1983 hieß das Motto bei Schalke 04: "Schnappt Shorty" Bernd Dierßen

Der Start mit Olaf und die Flucht vor Schafstall

Einmal Schalker - immer Schalker: Mit der heutigen Ausgabe zeichnet der Schalker Kreisel in loser Folge die Spuren ehemaliger königsblauer Hauptdarsteller nach. Was ist aus ihnen geworden, was machen sie heute und welche Erinnerungen bleiben an die eigene Zeit bei den Knappen? Den Auftakt der neuen Serie macht einer, der zu jener Mannschaft gehörte, die eines der größten Spiele der Vereinsgeschichte bestritt: das 6:6 im DFB-Pokalhalbfinale gegen Bayern München am 2. Mai 1984. Bernd Dierßen war der Spielmacher dieser Elf, derjenige, der den Freistoß herein gab, in dessen Folge Olaf Thon das 6:6 schoss. Heute arbeitet der 43-Jährige bei einem Bankinstitut in Niedersachsen und ist als Trainer des Bezirksligisten FC Germania Egestorf/Langreder dem Fußball nach wie vor verbunden.

Bernd Dierßen, Ihr letzter Besuch in der Arena AufSchalke ist noch gar nicht so lang her: Sie waren einer der Ehrengäste beim Abschiedsspiel von Olaf Thon. Wie hat Ihnen die neue Schalker Spielstätte gefallen?
Die durfte ich ja schon einmal in Augenschein nehmen, beim letzten Spiel der abgelaufenen Saison gegen den VfL Wolfsburg auf Einladung von Rudi Assauer. Über die Einladung von Olaf habe ich mich riesig gefreut, denn es ist ja ewige Zeiten her, dass ich für Schalke gespielt habe. Für mich war das keine Selbstverständlichkeit. Außerdem fand ich, dass es für Olaf eine tolle Veranstaltung und ein würdiger Abschied war. Somit bot sich die Gelegenheit zum Wiedersehen mit ehemaligen Mitspielern: Gerd Kleppinger, der ja jetzt die Schalker Amateure trainiert, Klaus Täuber, Manfred Drexler als Zeugwart der Nationalmannschaft, Enatz Dietz und Tanne Fichtel.

Mit Olaf Thon verbindet Sie unter anderem, dass Sie 1983 im selben Sommer den Einstieg in den Schalker Profikader wagten.
Wir hatten in gewisser Weise die gleiche Ausgangslage. Olaf rückte als A-Jugendlicher in den Profikader, ich kam als Neuzugang von Hannover 96 und ging mit knapp 24 Jahren zum ersten Mal von Zuhause weg.

Wie kam dieser Wechsel zustande?
Zunächst auf Initiative von Diethelm Ferner, der ja ebenfalls als Trainer von Hannover nach Schalke wechselte. Letztlich geholt hat mich Rudi Assauer. Für mich war es ein sportlicher Fortschritt, denn Schalke war zwar gerade abgestiegen, wollte aber unbedingt in die Bundesliga zurück.

Diethelm Ferner verdanken Sie auch Ihren Spitznamen "Shorty".
Damals gab es in Hannover noch Bernd Gorski. Weil mitunter Verwirrung entstand, wenn der Trainer Anweisungen hinein rief, hat er mich "Shorty", der Kleine, getauft. Selbst im familiären Bereich werde ich heute noch so genannt.

Was machte die Stärke der damaligen Schalker Mannschaft aus?
Wir waren vor allem offensivstark, spielten in der Spitze mit Klaus Täuber als Reißer und Brecher sowie mit Olaf Thon. Ich habe es eigentlich bedauert, dass Olaf sich relativ früh ins Mittelfeld, später auf die Libero-Position zurückgezogen hat. Ich finde, dass dem deutschen Fußball eine Stürmerhoffnung entgangen ist.

Sie waren damals der Spielmacher, der Andy Möller von 1983.
Allerdings hatte ich nicht diese Grundschnelligkeit wie Möller. Das war ohnehin mein großes Manko.

Zweimal waren Sie nahe dran, den Sprung in den UEFA-Cup zu schaffen. Schmerzt es heute noch, dass dieser Schritt nicht gelang?
Ein solcher Erfolg kann ein Schlüsselerlebnis sein. Ich glaube nicht, dass die jüngsten Schalker Entwicklungen mit dem Bau der Arena so schnell möglich gewesen wären, wenn es den UEFA-Cup-Sieg nicht gegeben hätte. Wir hätten auch die Europapokal-Teilnahme schaffen können, haben aber einige Schlüsselspiele verloren. Wer weiß, welche Entwicklung wir damals sonst genommen hätten.

Wieso sind Sie bereits nach vier Jahren wieder nach Hannover zurückgegangen?
Es gab damals den Streit zwischen Manager Rudi Assauer und Trainer Rolf Schafstall. Ich saß zwischen den Stühlen, denn zu Assauer hatte ich fast ein freundschaftliches Verhältnis. Mit dem Trainer lag ich nicht auf einer Wellenlänge. Um weiteren Konfrontationen zu entgehen, bin ich gegangen. Schade, das war eigentlich zu früh. Noch zwei Jahre länger und ich wäre im Ruhrgebiet heimisch geworden.

Wie verlief Ihre weitere fußballerische Karriere?
Ich habe noch zwei Jahre in der Bundesliga für Hannover 96 gespielt, übrigens zusammen mit Andreas Müller. Dann zog ich mir einen Kreuzbandriss zu und beschloss, mich mit 30 Jahren vom Profifußball zu verabschieden. Damals war es wichtig, nach der Karriere einen guten Einstieg ins Berufsleben zu finden. Ich will mich nicht über unsere Gehälter beklagen, aber sie waren mit den heutigen natürlich nicht zu vergleichen. Nach dem Abitur wollte ich eigentlich Grundschullehrer werden, habe dann aber eine Laufbahn im kaufmännischen Bereich eingeschlagen.

Ihr schönstes Erlebnis im Schalker Trikot?
Das 6:6 gegen die Bayern in Verbindung mit dem Zweitligaaufstieg. Am Tag vor dem Pokalhalbfinale hatten wir im Trainingslager das 5:4 der Gladbacher gegen Werder gesehen und gesagt: So ein Spiel gibt es nur alle zehn Jahre... Das Spiel gegen die Bayern war auch deswegen so unvergesslich, weil es so viele Gefühlsebenen gab. Es ging ständig rauf und runter.

       
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