1904-1924
1924-1933
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1971-1980
1980-1993
1993-2004
Einmal Schalker,
Immer Schalker
 

Manfred Drexler: Einst Feierabendprofi, dann Knappe und jetzt bei der Nationalmannschaft

"Links Lady Di - rechts ich"

Als Manfred Drexler 1979 zum FC Schalke 04 wechselte, begannen dunkle Gewitterwolken über den Knappen aufzuziehen. Zwei Abstiege und zwei Aufstiege erlebte der technisch versierte Mittelfeldspieler in seinen fünf Jahren bei den Knappen. Persönlich verlief die Zeit für den Mittelfranken nicht weniger turbulent. Gleich zu Beginn seiner Laufbahn im Schalker Trikot wurde Drexler per TV-Beweis drei Monate gesperrt, dann avancierte er vom sportlich nicht unumstrittenen Profi zu einem sehr geschätzten, weil mit Spielübersicht und Torgefährlichkeit ausgestatteten Mittelfeldspieler. Auch heute noch ist der inzwischen 52-Jährige unverändert dem ganz großen Fußball verbunden.

Manfred Drexler, wie kam 1979 Ihr Wechsel zu Schalke 04 zustande?
Ich war bis zu diesem Zeitpunkt "Feierabend-Profi" bei Darmstadt 98, d.h., wir haben bis 15.30 Uhr gearbeitet, danach trainiert. Nach unserem Abstieg wurden die zwei passablen Spielern von anderen Bundesligisten weggeholt: Kurt Eigl ging nach Leverkusen, ich nach Schalke.

Bedeutete dieser Wechsel zum Voll-Profi eine große Umstellung für Sie?
Ich war mit 28 Jahren schon ein gestandener Fußballer, der keinen großen Formschwankungen mehr unterlegen war. Es war eine sehr schöne Zeit, auch wenn wir leider zweimal abgestiegen sind. Aber wir kamen sofort immer wieder nach oben.

Warum verliefen diese Jahre so turbulent?
Das ist in der Rückschau nur schwer verständlich, denn Schalke besaß mit Norbert Nigbur im Tor, Klaus Fischer, Klaus Fichtel, Rolf Rüssmann oder Rüdiger Abramczik eine Topp-Mannschaft. Wir lagen zu Beginn der Rückrunde 79/80 auf dem vierten Platz, nur zwei Punkte von der Tabellenspitze entfernt. Es gab damals auch sehr viel Tohuwabohu im Verein. Der Fisch stinkt vom Kopf her - da war in diesen Jahren leider einiges dran. Was mich aber immer beeindruckt hat, war die Hingabe, die Liebe der Zuschauer zu ihrem Club.

Für Sie persönlich startete das Kapitel Schalke alles andere als glücklich. Sie wurden als einer der ersten Bundesligaprofis gesperrt, weil Sie in Ihrem ersten Heimspiel gegen Bayern München gegen den am Boden liegenden Wolfgang Kraus nachgetreten haben.
Das war eine Geschichte, die durch alle Gazetten ging, obwohl das Ganze nicht so schlimm war - es hat halt nur blöd im Fernsehen ausgeschaut. Eine Zeit lang sahen alle Titelseiten so aus: links Lady Di, rechts Drexler. Das war eine schlimme Zeit, jede Oma hat mich z. B. beim Brötchenkauf in der Bäckerei erkannt: "Sind Sie nicht der?..."

Haben Sie sich mit Wolfgang Kraus ausgesprochen?
Wir haben uns Jahre später auf einer adidas-Veranstaltung getroffen. Man gibt sich die Hand wie das unter Sportlern üblich ist.

Besonders Ihr letztes Jahr dürfte Ihnen in guter Erinnerung sein, obwohl Schalke damals in der 2. Liga spielte. Damals kam mit Diethelm Ferner ein neuer Trainer, gute Spieler wie etwa Bernd Dierssen und natürlich einen 17-jährigen Olaf Thon. Freitag abends haben wir im Parkstadion gespielt. Da konnte kommen, wer wollte, wir haben gewonnen.

Doch in dieser Saison endete Ihre Karriere.
Es war das erste Spiel im DFB-Pokal-Viertelfinale bei Hertha BSC, das 3:3 endete und in Schalke wiederholt wurde. Mir ist noch ein Tor gelungen, doch bei einer großen Chance in der Verlängerung prallte ich mit Berlins Torhüter Gregor Quasten zusammen. Ich habe ihn kommen sehen, war aber nicht mehr frisch genug, um auszuweichen. Das Ergebnis war ein Knöchelbruch und ein Knorpelschaden im Gelenk, der mir heute noch sehr zu schaffen macht. Ich laufe quasi ohne Dämpfung und muss darauf achten, dass ich mein Gewicht halte.

Nach der aktiven Laufbahn den Sprung zur Nationalmannschaft zu schaffen -wie ist das Ihnen gelungen?
Wie so oft im Leben war das Zufall. Ich bekam eine Stele bei adidas und in der Betreuermannschaft des DFB wurde eine Stelle frei. So wurde ich 1985 zum Service-Mann, der für die komplette Ausrüstung des DFB. Inzwischen habe ich fünf Weltmeisterschaften mitmachen dürfen, betreue zudem einige Bundesligavereine wie Bayern München, Schalke 04 und Bayer Leverkusen.

Somit ist der Kontakt zu den Knappen nie abgerissen.
Zum einen bin ich ab und zu in der Kabine, wenn einer der Spieler einen Spezialschuh braucht, dann telefoniere ich häufig mit Zeugwart Enrico Heil. Und ich habe einige Stationen zum UEFA-Cup-Sieg miterlebt. In Valencia war ich ebenso dabei wie beim Endspiel Mailand.

Wenn Sie einen Moment aus Ihrer Schalker Zeit hervorheben müssten, welchen würden Sie wählen?
Für mich war es beeindruckend, die Entwicklung von Olaf Thon zu beobachten. Wie oft erlebt man es, dass sich ein 17-jähriger Jugendspieler bei den Profis vorstellt und man weiß: Der hat eine ganz große Karriere vor sich. 1986 bei der WM in Mexiko und 1990 bei der WM in Italien waren wir ebenfalls gemeinsam vor Ort. Ich weiß noch, wie tief enttäuscht er war, dass er im Endspiel zuschauen musste, nachdem er im Halbfinale so gut gespielt hatte.

       
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