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Einmal Schalker,
Immer Schalker
 

Der Traum vom Bundesligaspieler: Mittelstürmer Dieter Götz lebte ihn 1987 für eine Saison

Doppelpack unter Flutlicht

Es ist ein Szenario, von dem jeder Amateur-Fußballer träumt, für Dieter Götz erfüllte er sich in der Saison 1987/1988: Vom Oberligisten Spielvereinigung Erkenschwick wurde der 24-Jährige verpflichtet, um in einer weitgehend unerfahrenen Mannschaft um die Galionsfiguren Olaf Thon und Toni Schumacher den Klassenerhalt zu schaffen. Hinter Thon avancierte der bullige Mittelstürmer mit sechs Toren sogar zum zweitbesten Schalker Torschützen dieser Saison. Dennoch stiegen die Knappen in die zweite Liga ab - und der gebürtige Essener beendete seine Profi-Laufbahn nach nur zwölf Monaten. Im Schalker Kreisel erinnert er sich an seine Stippvisite in der Bundesliga.

Herr Götz, welche Erinnerungen sind bei Ihnen aus der Saison haften geblieben, in der die Königsblauen zum dritten und letzten Mal aus der Bundesliga abstiegen?
Der Verein war damals in finanziellen Nöten, deswegen wurden viele junge Spieler verpflichtet. Ich war einer von ihnen. Wir wussten alle, dass diese Saison nicht einfach werden würde - mit dem bitteren Abstieg am Ende. Deswegen lief mein Vertrag auch aus, denn er galt nur für die erste Liga. Schalke hat mir zwar damals einen Anschluss-Vertrag für die zweite Liga angeboten, aber den habe ich abgelehnt. Ich bin statt dessen nach Remscheid in die Oberliga gegangen.

Warum wollten Sie lieber Amateur als Profi sein?
Die meisten Fußballer hätten sicher ohne zu überlegen unterschrieben. Ich habe aber darüber nachgedacht, wie lange ich diesen Beruf ausüben und vor allem, ob ich langfristig davon leben kann. Ich wollte lieber meine Ausbildung zum technischen Zeichner beenden und meinen beruflichen Weg sichern. Mit meiner Vertragsunterzeichnung damals bei Schalke habe ich auch geheiratet. Wir wollten eine Familie gründen, waren einfach recht bodenständig. Ich wollte nicht durch die Welt tingeln und eine Wochenend-Ehe führen. Diese Überlegungen hatte ich auch schon vor der Zusage bei Schalke. Aber da war ja klar, das Angebot musste man annehmen. Ich habe es einfach ausprobiert. Aber von der Landesliga über die Oberliga in die Bundesliga, das war eine ganz neue Situation.

Ein Spiel konnten sie quasi im Alleingang entscheiden, denn gegen Bayer Uerdingen gelangen Ihnen beide Tore zum 2:1-Sieg.
Das war für mich ein besonderes Highlight, weil es zum einen ein Flutlichtspiel mit besonderer Atmosphäre war, ich zum anderen meine ersten beiden Tore erzielen konnte.

Können Sie sich noch an deren Entstehung erinnern?
Oh ja! Das erste war ein recht schönes Kopfballtor aus zehn, elf Metern. Der zweite Treffer war schwer abseitsverdächtig, da kochten anschließend die Emotionen hoch. Den Torwart habe ich durch einen Beinschuss bezwungen. Aus meiner Sicht war das ein Top-Ereignis.

Und es gelang Ihnen, ein Tor vor 70.000 Zuschauern im Parkstadion zu erzielen: der Ehrentreffer zum 1:4 gegen Bayern München.
In dem Spiel stand unser Ersatztorwart Dieter Heinen im Tor. Das Stadion war prall gefüllt - wie immer gegen Bayern München. Ich bin in der 46. Minute eingewechselt worden. In dem Spiel hätte ich den Durchbruch schaffen können, denn auch vor meinem Tor in der 78. Spielminute boten sich mir ich gute Chancen. Wie das dann so ist, gehen die natürlich haarscharf am Tor vorbei. Die schwierigste von allen Möglichkeiten konnte ich nutzen. Ein Treffer vor 70.000 Zuschauern, das war für mich als jungen Spieler toll. Wenn ich an die vergebenen Chancen denke - gerade in so einem Spiel kann man sich als junger Spieler in den Blickpunkt schießen.

Gibt es einen Spieler im derzeitigen Kader, in dem Sie sich wieder erkennen?
Wenn ich die Situation heute mit damals vergleiche, ist das sicher der Kollege Mike Hanke. Eigentlich ein gutes Talent, aber der Druck der auf einem lastet, sorgt mitunter dafür, dass man sich nicht so durchsetzen kann, wie man es vielleicht will.

Haben Sie heute noch Kontakt zu Ihren Teamkollegen von damals?
Die sind ja heute weit verstreut. Kontakt habe ich eigentlich zu gar keinem mehr. Der einzige, den ich durch Zufall schon einmal treffe, ist Olaf Thon. Wir begegnen uns manchmal in der Stadt oder bei Benefizspielen. Meine Zeit im Verein war zu kurz, um Freundschaften zu schließen.

Was machen Sie heute?
Neben meinem Beruf als Techniker bin ich Spieler-Trainer beim Kreisligisten VfB Kirchhellen. Solange mein Körper das noch hergibt, tummle ich mich spielerisch in der Kreisliga herum. Ich habe viel Freude daran und die Aufgabe macht Spaß. Wenn ich selber nicht mehr aktiv spiele, möchte ich gerne einen Verein aus einer höheren Liga trainieren.

       
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