1904-1924
1924-1933
1933-1945
1945-1963
1963-1971
1971-1980
1980-1993
1993-2004
Einmal Schalker,
Immer Schalker
 

Kuzorras letztes Jahr war sein erstes: Paul Matzkowski galt in der Oberliga als gefürchteter Elfmeterschütze

Gattin war größter Kritiker: "Der kriegt Kostabzug!"

Zu Oberligazeiten war er in Schalke ein fester Begriff: Paul Matzkowski absolvierte zwischen 1948 und 1958 mit 212 Spielen nicht nur hinter dem legendären Berni Klodt die meisten Einsätze für die Knappen in der Westliga, als wuchtiger Elfmeterschütze war er in diesen Jahren bekannt und gefürchtet. Im Schalker Kreisel erinnert sich der heute 82-Jährige an neun Jahre blau-weißen Fußball vor Einführung der Bundesliga.

Paul Matzkowski, wie sind Sie damals zu Schalke 04 gekommen?
Fußball gespielt habe ich ja schon lange, da bin ich denen auch schon aufgefallen. Aber mit 19 musste ich in den Krieg und bin erst 1945 zurückgekommen. Ich hatte Glück, ich konnte auch in meiner Soldatenzeit spielen, ob in Nürnberg oder in Wien. Bis ich dann auf Schalke anfangen konnte, hat es noch bis 1948 gedauert.

Ihre erste Saison war die letzte aktive Spielzeit von Ernst Kuzorra. Wie erinnern sie sich daran?
Er war ein richtiger Kumpel, ein Fußballer, wie man ihn sich besser nicht vorstellen könnte. Der war ein richtiges Bergmannskind. "Püttrologe" nannten wir das damals. Kuzorra war eine ehrliche Haut.

Gefürchtet waren Ihre ungeheuer hart geschossenen Strafstöße. An welchen Elfmeter erinnern Sie sich besonders gern?
Im März 1950 spielten wir gegen Dortmund. Fast 60.000 waren damals in der Glückauf-Kampfbahn, die Stimmung war so wie heute in der Arena. In den letzten Minuten haben wir dann einen Elfmeter zugesprochen bekommen. Als ich zum Punkt hingegangen bin und den Ball abgelegt habe, da war es still im Stadion. Du konntest noch nicht einmal einen Husten hören. Und wie der Ball drin war, da haben auf der Schalker Straße in den Wohnungen die Regale gewackelt und die Tassen sind kaputt gegangen.

Von einem Oberligaspiel gegen Erkenschwick erzählt man sich die Geschichte, dass Sie von der Frau eines gegnerischen Spielers mit einem Regenschirm geschlagen worden sind, weil deren Mann bewusstlos am Boden gelegen hat.
Ach, da wurde etwas Märchenhaftes draus gemacht. Wir spielten damals auf matschigem Boden, das war alles. Nach dem Spiel kam ein kleiner Junge zu mir und sagte: "Onkel, wenn dir einer was will, dann hau drauf!"

Von Sepp Herberger wurden Sie wiederholt zur Nationalmannschaft eingeladen, bei einem Länderspiel jedoch nicht eingesetzt.
Trotzdem habe ich dort etwas gelernt: dass ein Bier vorm Schlafen viel besser ist als jede Tablette. Für einen, der sonst kein Bier trinkt, reicht da ein Glas. Das hat der uns nämlich damals erlaubt, wenn wir nervös waren.

Sie gehörten zum erweiterten Aufgebot der Meistermannschaft 1958. Warum absolvierten Sie in dieser Saison nur sechs Spiele?
Bereits 1956 haben wir hauchdünn das Endspiel gegen Borussia Dortmund verpasst. Ich war 1957 schon 37 Jahre alt und wollte eigentlich im Jahr vorher aufhören. Wenn wir da das Endspiel erreicht hätten, wäre ich schon zu diesem Zeitpunkt ausgeschieden. Ich bin dann noch ein Jahr geblieben und habe geholfen, wo ich konnte. Aber davon hatte ich nicht viel. Man hat damals nämlich vergessen, mich zur Meisterfeier einzuladen. Erst als alles vorbei war, da haben sie bemerkt, dass da einer fehlte...

Wie sind sie heute dem Verein verbunden?
Ich bin seit 1948 Mitglied bei Schalke und war schon immer Schalke-Fan. Letztes Jahr waren wir auch in der Arena. Zugegeben: Wir wollten das Stadion einmal gesehen haben. Meine Frau ist noch viel schlimmer als ich. Als vor zwei Jahren Bayern in der Nachspielzeit beim Hamburger SV doch noch ein Tor schoss und wir nur Vize-Meister wurden, hat sie bald einen Herzinfarkt bekommen. Die war schon immer so. Sie hat jeden Fehler auch erkannt. Einmal hat sie am Platz gestanden und in meine Richtung gerufen: "Der kriegt Kostabzug!"

Haben Sie in der heutigen Schalker Mannschaft einen Lieblingsspieler?
Nein. Das ist doch heute gar nicht mehr so wie früher, dass alle mit dem Herz dabei sind. Fußball ist Teamarbeit. Man kann nur zusammen gewinnen oder auch verlieren.

       
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