1904-1924
1924-1933
1933-1945
1945-1963
1963-1971
1971-1980
1980-1993
1993-2004
Einmal Schalker,
Immer Schalker
 

Walter Zwickhofer: Er kam 1949 rechtzeitig zum Klassenerhalt aus Kriegsgefangenschaft zurück

Er erlebte den größten Teil der 100-jährigen Schalker Geschichte hautnah mit und ist heute einer der treuesten Vereinsmitglieder. Walter Zwickhofer spielte von 1942 bis 1956 im königsblauen Trikot, neben Kuzorra, Szepan, Klodt und Eppenhoff. Vier Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft unterbrachen seine sportliche Karriere. Im Interview verrät der Stürmer, wie er Weltmeister Fritz Walter weitere Leiden ersparte und warum seine Rückkehr aus der Sowjetunion für Schalke gerade noch rechtzeitig kam.

Herr Zwickhofer, wie sind Sie zum FC Schalke 04 gekommen?
1938 fing ich in der B-Jugend an. 1942 habe ich als 17-Jähriger erstmals in der ersten Mannschaft gespielt. In der Partie gegen Bochum fehlte damals ein Mann. Sie können sich ja vorstellen, wie das im Krieg war. In einer Militärmannschaft, den "Roten Jägern", spielte ich zusammen mit Fritz Walter und Hermann Eppenhoff. Wir sind dann in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten, später nach Tschechien gebracht und an die Russen übergeben worden. Walter bekam damals Malaria. Das hatte er aus Afrika mitgebracht, wo er stationiert gewesen war. Durch einen russischen Offizier, den ich kannte, durfte er, krank wie er war, wieder nach Hause. Fritz war sehr sensibel. Ich weiß nicht, ob er den Kaukasus überstanden hätte. Als ich selbst im tschechischen Lager ankam, war der goldige Offizier leider nicht mehr da.

Sie wurden in ein Lager in der Nähe von Tiflis gebracht. Hatten Sie es dort als Fußballer leichter?
Als Sportler hat man da immer einen Vorteil gehabt. Ich weiß noch, dass vier Spieler von uns sogar unter Aufsicht 1946 zu einem Fußballspiel nach Tiflis durften. Ich fand es sehr erstaunlich, dass damals 40.000 Zuschauer da waren und alle Plätze waren Sitzplätze. Wenn wir sonntags spielten, war kein Platz mehr frei im Zuschauerraum. Wir bildeten nach Nationalitäten verschiedene Lagermannschaften. Da spielte dann etwa Deutschland gegen Ungarn. Manchmal traten die verschiedenen Lager gegeneinander an.

Es wird oft erzählt, die Essensrationen der Kicker wären größer als die anderer gewesen.
Wenn wir zur Küche gingen, hat der Koch oft zwei Pötte voll gemacht. Wir sind ja auch durch den Sport früher entlassen worden. Ich weiß noch, ich war eines Tages in der Friseurstube, in der sich ein russischer Offizier gerade die Haare schneiden ließ. Der fragte mich, ob ich nach Hause wollte. Natürlich sagte man da ja. Zwei Tage später waren Hermann Eppenhoff und ich im Transport.

War für Sie die Kriegsgefangenschaft also gar nicht so schlimm, wie man es sich gemeinhin vorstellt?
Man erzählt ja nur die schönen Dinge. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viele Tote da täglich weggebracht wurden, die bei der Arbeit entkräftet gestorben waren.

Ist es richtig, dass Sie am Tag Ihrer Heimkehr schon am selben Abend bei Meisterspieler Ötte Tibulsky vorstellig geworden sind?
Wir sind auf einen Sonntag zurückgekommen, an dem Schalke 04 spielte. Im Zug trafen wir die vielen Zuschauer. Nach dem Spiel kam der Spielobmann direkt zu uns. Aber wir sind zu Hause bei unseren Familien geblieben. Zwei Tage später habe ich zum ersten Mal mittrainiert. Hermann Eppenhoff war noch etwas geschwächt. Acht Tage später haben wir zum ersten Mal mitgespielt.

Sie kehrten keine Sekunde zu früh zurück: Schalke spielte 1949 in einer Relegationsrunde um den Verbleib in der Oberliga.
Wir gewannen damals gegen Benrath 9:0 und gegen Leverkusen 1:0. So schafften wir den Klassenerhalt. Ich will nicht sagen, dass das Eppenhoffs und mein Verdienst war, aber mit unserer Rückkehr ging damals ein Ruck durch die Mannschaft, denn zwei alte Schalker wieder dabei.

Wie war es, mit Ernst Kuzorra und Fritz Szepan in einer Elf zu stehen?
Die beiden waren wunderbar! Zwei gute Strategen. Die Alten haben damals das Spiel geleitet, wir Jungen mussten mitackern. Es war eine sehr schöne Zeit, sie ging bloß zu schnell vorbei.

Sie werden in diesem Jahr 80 Jahre alt. Was ist Ihnen heute wichtig?
Dass ich heute noch gesund bin und gut laufen kann. Und dass ich mit meiner Frau schon 53 Jahre verheiratet bin. Fest gegen den Ball treten, das könnte ich heute allerdings nicht mehr.

Fühlen Sie Sich heute noch mit dem Verein verbunden?
Wie sollte es anders sein? Einmal Schalker - immer Schalker.

Name: Walter Zwickhofer * 11. Juni 1924

In Schalke aktiv: 1.7.1938 - 30.6.1956

Pflichtspieleinsätze:
9 Gauligaeinsätze (1 Tor)
176 Oberligaspiele (13 Tore)
12 DFB-Pokalspiele (0 Tore)
1 DM-Endrundenspiel (0 Tore)

Erstes Spiel: 5. April 1942 gegen VfL Bochum (1:1)

Erstes Tor: 13. September 1942 gegen die SpVgg Röhlinghausen (3:3)

Letztes Spiel: 4. März 1956 gegen Schwarz-Weiß Essen (5:1)

       
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